Hypnotische Schmerzkontrolle

Stichworte: Akuter Schmerz -Chronischer Schmerz - Hypnotische Schmerzkontrolle - Schmerzkontrolle

Angewandte Methoden: Moderne Verfahren der Hypnosetherapie.

Schmerz ist ein lebensnotwendiges Warnsignal, es soll den Organismus vor Schädigungen bewahren. Die Wahrnehmung eines Schmerzes führt zu einer Abwehrreaktion. Wird dem Organismus ein Schaden zugefügt - sei es von außen (z.B. bei einer Verletzung) oder im Körperinneren (z.B. bei einer Entzündung) - so wird in der Regel ein Schmerz wahrgenommen. Das Schmerzerlebnis umfasst eine Kette neurophysiologischer Vorgänge, die vom Entstehungsort des Reizes über die Nervenbahnen bis hin zur Schmerzverarbeitung im Zentralnervensystem - einschließlich spezialisierter Zentren im Gehirn - führen.

Die Natur des Schmerzes ist jedoch weitaus komplexer, als die o.a. neurophysiologische Kette zunächst erahnen lässt. Heute wissen wir, dass neben den neurophysiologischen und biochemischen Prozessen auch psychologische, soziale und kulturelle Faktoren eine entscheidende Rolle spielen. Schmerz ist somit eine sehr persönliche, aber auch wandlungsfähige Erfahrung, die individuell beeinflussbar ist. Er ist nicht nur durch Chemie (Medikamente oder Spritzen) zu dämpfen, auch mit geeigneten psychotherapeutischen Methoden kann man lernen, seine Schmerzen zu kontrollieren. Hypnosetherapie hat sich dabei als ein besonders wirksames Verfahren bewährt. Diese Vorgehensweisen haben den großen Vorteil, dass Nebenwirkungen, wie sie durch die Verabreichung von Medikamenten zu befürchten sind, nicht entstehen, bzw. bei einer Kombination der Verfahren zumindest reduziert werden können.

Hypnotische Schmerzkontrolle bei akutem Schmerz

Der akute Schmerz hat eine Warn- und Schutzfunktion für den menschlichen Körper. Er gibt das Signal für schmerzvermeidendes oder heilungsförderndes Verhalten. Der akute Schmerz hat folgende Kennzeichen:

Hypnose zählt zu den ältesten Verfahren der Schmerzkontrolle. Die Hypnose zur Kontrolle des akuten Schmerzes findet ihre Anwendung in der Medizin bei chirurgischen Eingriffen, bei der Geburtshilfe und in der Zahnmedizin, entweder als einziges Instrument der Analgesie oder als Begleitmaßnahme bei der medikamentösen Anästhesie. Ferner kann sie ihren Nutzen in der Notaufnahme zeigen, bei Verbrennungen und Verletzungen.

Hypnotherapie der chronischen Schmerzen

Patienten mit chronischen Schmerzen haben in der Regel eine Leidensgeschichte hinter sich, die sich schon über Monate oder Jahre hingezogen hat. Oft haben sie viele Medikamente oder Behandlungsverfahren ausprobiert, ohne eine wesentliche Linderung zu spüren. Nicht selten wird von den Patienten auch berichtet, dass sich ihr Leiden durch die Behandlungsversuche verschlimmert hat. Von den Betroffenen wird oft nur die körperliche Komponente gesehen, die Möglichkeit psychischer Anteile wird in den seltensten Fällen in Erwägung gezogen.

Hypnosetherapie wirkt nicht nur bei psychosomatisch bedingten Schmerzen, sie lässt sich auch erfolgreich einsetzen bei rein organisch bedingten Schmerzen, wie etwa nach Verletzungen bei einem Unfall. In beiden Fällen sollte man sich klarmachen, dass vom eigentlichen Schmerzgeschehen sowohl die Schmerzwahrnehmung als auch das Schmerzleiden zu unterscheiden sind. So kann ein starker Schmerz gefühlt werden, ohne dass der Betroffene unbedingt darunter leiden muss. Andererseits kann bereits ein geringer Schmerz unter Umständen schon zur Qual werden. Die komplexe Verarbeitung der Vorgänge in unserem Gehirn lässt beide Möglichkeiten zu.

Die Hypnosetherapie hält nun ein Bündel an Techniken bereit, das Schmerzerleben positiver zu gestalten. Sie lassen sich einteilen in kognitive und sensorische Strategien. Während erstere damit arbeiten, durch gedankliche Veränderung der Einstellungen, Erinnerungen und Bewertungen, sowie auch durch Umdeutung die Bedrohlichkeit des Schmerzes zu reduzieren, setzen die sensorischen Strategien direkt auf der Empfindungsebene an. Eine beliebte Strategie ist es z.B., an einem unproblematischen, schmerzfreien Körperteil, wie der Hand, ein Gefühl der Taubheit und Gefühlslosigkeit zu induzieren (sogenannte "Handschuhanalgesie"), von wo aus dann eine Übertragung oder Ausbreitung dieses Gefühls auf einen schmerzenden Teil des Körpers vorgenommen werden kann. Hier wird deutlich, dass selbst bei "rein" organischen Schmerzen die Person in ihrer Ganzheit, über den Körper hinaus - also auch mit ihren geistigen und seelischen Komponenten - beteiligt ist.

Bei einem psychosomatischen Schmerz reicht es allerdings nicht aus, nur das Symptom "Schmerz" zu reduzieren, denn nicht nur der Körper drückt sich ja in diesem Fall über den Schmerz aus, sondern auch die Psyche ist hierbei - zumindest nicht unwesentlich, evtl. auch hauptsächlich - beteiligt, vielleicht als Folge einer Angst, Depression oder Trauerreaktion, die nicht hinreichend zugelassen wird. Würde jetzt nur der Schmerz beseitigt, ohne auch die Ursachen psychotherapeutisch anzugehen, so währe die Psyche dieser Signalfunktion zunächst beraubt und müsste sich über ein anderes Signal ausdrücken. Die Gefahr von - u.U. noch schmerzhafteren - Rückfällen oder auch Symptomverschiebungen ist somit vorprogrammiert. Will man also auf Dauer erfolgreich seinen chronischen Schmerz beseitigen, so kommt man als Patient nicht darum herum, sich den tieferen Ursachen und Hintergründen zu stellen. Auch hierfür bietet die selbstorganisatorische Hypnose hervorragende Strategien an.