Gestalttherapie

Gestalttherapie ist ein Verfahren der humanistischen Psychologie mit einer phänomenologisch erfahrungsgeleiteten Zugangsweise. Die Gestalttherapie bezieht ihren Gestaltbegriff aus der Gestaltpsychologie, die erforscht, wie wir mit Hilfe unserer Wahrnehmung Wirklichkeit konstruieren.

Wenn Sie sich als Leser dieser Zeilen bewusst machen, was ihr Inhalt in Ihnen auslöst und wozu Sie sich gerade jetzt in diesem Augenblick diese Gedanken dazu machen, dann sind Sie gerade dabei, einen wesentlichen Faden der Gestaltarbeit aufzugreifen, nämlich Bewußtheit über Ihre Wahrnehmung, Ihre Gefühle, Ihre Gedanken und Ihre Handlungen zu erlangen.

Wir ordnen unsere Welt, indem wir Gestalten aus dem uns umgebenden Chaos lösen, die uns einen Sinn geben und über die wir gelernt haben, wie sie aussehen und wie sie zu benennen sind. So ist es Ihnen als Leser möglich, diese Buchstaben wieder zu erkennen, ihre Folgen zu Worten und Sätzen zu reihen. Aber außer den Figuren (Buchstaben) gibt es noch einen Grund (Hintergrund), der auch eine Struktur aufweist, dessen Einzelheiten Sie aber vermutlich schwer abgrenzen und bennen können.

Eine Figur kann wieder in den Hintergrund treten und eine andere Figur gewinnt Gestalt. So verhält es sich auch mit unseren Gedanken, die aus unbewussten Prozessen heraus klar in unser Bewusstsein treten und dort Gestalt annehmen. Diese Gedanken enthalten individuelle und kulturell geprägte Vorannahmen, die dafür verantwortlich sind, welche Gedanken wir als Nächstes bilden. So macht sich jeder seine Landkarte von der Welt, die er durch die Art seiner Wahrnehmung immer wieder bestätigt findet, wobei die Landkarte nicht gleich der Landschaft ist! Solange die Landkarte dazu taugt, dass ich mich entsprechend meinen Wünschen und Vorstellungen frei bewegen kann, ist alles in Ordnung. Es wird aber im Leben immer wieder Momente geben, wo ich die Einträge in meiner Karte verändern muss, weil ich merke, dass es da Abweichungen gibt, die mir die Orientierung erschweren oder mich gar gefährden.

Das Muster auf dieser Landkarte stricken wir nicht allein. Auch andere weben daran mit: Die Menschen unserer Kultur, unserer unmittelbaren Umgebung, unseres Freundeskreises, der Familie. Insbesondere sind Eltern stark daran beteiligt. Diese Menschen tun dies meist in ihren Rollen, als Mutter oder Vater oder andere Familienangehörige, als Berufsausübende, als Vorgesetzte, als Dienstleistende usw. So begegnen wir uns als Menschen in der Gesellschaft in einer sachlich-funktionalen Beziehung, die uns Leitlinien für unser Verhalten vorgibt und uns dadurch einen gewissen Schutz und Sicherheit vermittelt. Ein offener zwischenmenschlichen Kontakt, eine Begegnung frei vom Scheinen wollen, wird jedoch dadurch erschwert.

Aber es gibt noch andere Mechanismen, die jeder Mensch entsprechend seiner eigenen Lerngeschichte für sich entwickelt hat, um sich in unangenehmen Situationen zu schützen. Manchmal haben sich diese Schutzmechanismen zu einem starren Muster verfestigt, das uns inzwischen mehr behindert als das es uns nützt. Oft sind uns diese Vorgänge nicht bewußt. So kann es zum Beispiel passieren, dass Menschen ihre Gefühle von wiederholt auftretenden unangenehmen Ereignissen abspalten, was dann auf Dauer zu psychosomatischen Beschwerden führen kann.

In der Therapie haben Sie die Möglichkeit, sich darüber bewußt zu werden, wie Sie wahrnehmen, auf welche Art Sie Kontakt zu anderen und zu sich selbst machen oder auch wie Sie diesen Kontakt verhindern. Sie erkennen nach und nach die Muster, mit denen Sie sich gegebenenfalls selbst einengen und behindern und experimentieren und erproben neue Verhaltensweisen, die Ihren Handlungsspielraum und Ihre Möglichkeiten erweitern, so dass die natürliche Selbstregulation des Organismus wieder aktiviert wird und Sie das Leben mehr geniessen können.

 

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